Justin Mackenzie: Durch Täler sind schon viele große Tennisnationen gegangen

Sein Sohn Jamie Mackenzie (18) sorgt seit geraumer Zeit für Furore als Tennis-Jungprofi und zählt zu den besten deutschen Nachwuchshoffnungen auf der internationalen Tennistour. Vater Justin Mackenzie arbeitet als Coach nicht nur für den TC Rheinstadion Düsseldorf, sondern managt und organisiert auch seinen Sohn. Wir hatten vor Kurzem im Meerbuscher TeReMeer Gelegenheit, mit Justin über den deutschen Tennisnachwuchs, seinen Sohn Jamie sowie die Dominanz von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner zu sprechen.

Justin Mackenzie (l.) und Marc Raffel (r.) mit dem Davis Cup Team Neuseeland im Meerbuscher TeReMeer

Von Neuseeland nach Deutschland
Redaktion: Justin, du bist Neuseeländer. Warum lebst du nicht in deiner wunderbaren Heimat?
Mackenzie: Nachdem Jamie in Neuseeland bereits als 11-Jähriger die Junioren-Nummer eins wurde, wollte ich mit ihm nach Europa gehen, um zu sehen, wie er sich gegen die besten europäischen Nachwuchsspieler schlägt. Nach erfolgreichen Erfahrungen entschieden wir uns, in Europa zu bleiben. Ich habe zu dieser Zeit auch professionell Tennis gespielt und fand mit RW Düsseldorf einen Verein für Medenspiele. Das hat mir und uns sehr geholfen.
Redaktion: Dein Leben ist voller Tennis. Wo und wann hast du mit dem Tennissport begonnen?
Mackenzie: Ich habe mit acht Jahren mit dem Tennissport begonnen, in einer Stadt namens Matamata in Neuseeland auf der Nordinsel. Matamata ist berühmt, weil dort Filmaufnahmen für „Herr der Ringe“ gemacht wurden. Meine Mutter nahm mich samstags immer mit in ihren Tennisclub, wo ich ständig an der Ballwand spielte und hoffte, dass mich irgendwann ein Erwachsener ansprach, um mit ihm Tennis zu spielen. Mit 18 zogen wir dann nach Auckland, nachdem ich neuseeländischer Jugendmeister geworden war und wie ein Profi trainierte.
Redaktion: Arbeitest du auch heute noch mit Tennisprofis aus Neuseeland?
Mackenzie: Ich war einst neuseeländischer Nationaltrainer der Junioren und auch drei Jahre Tourcoach. Ich betreute Cameron Norrie, als er jünger war, und viele neuseeländische Nachwuchsspieler. Auch mit dem neuseeländischen Davis-Cup-Team habe ich gearbeitet, vor allem, wenn man sich auf die europäische Aschenplatzsaison vorbereitete.
Sohn Jamie hat das Zeug
Redaktion: Dein Sohn Jamie ist einer der hoffnungsvollen deutschen Nachwuchsspieler. Hat er wirklich das Zeug, ganz nach oben zu kommen?
Mackenzie: Ja. Von Anfang an war es Jamies großer Traum, Tennisprofi zu werden. Ich hatte ihn immer wieder mit zu den ATP-Turnieren in Auckland und zu den Australian Open genommen. Das hat seinen großen Traum natürlich noch weiter befeuert. Nun spielt er die Junioren-Grand-Slams und darf die gleichen Courts wie die großen Stars benutzen.
Redaktion: Bist du der einzige Betreuer von Jamie oder gibt es bereits ein Team um ihn herum?
Mackenzie: Mittlerweile haben wir tatsächlich ein Team, das Jamie betreut. Ich arbeite eher als Manager dieses Teams, die Arbeit auf dem Platz überlasse ich gern anderen, zum Beispiel seinem Fulltime-Coach Gero Kretschmer aus Düsseldorf. Darüber hinaus haben wir einen Fitnesstrainer und medizinische Experten an Bord sowie Spezialisten für die Turnierplanung.
Redaktion: Woran arbeitet ihr mit Jamie im Besonderen? Was sind die Fähigkeiten, auf die es ankommt?
Mackenzie: Ich versuche, mehr als Mentor und Vater und kaum als Coach tätig zu sein. Ich bin für Jamie da, wenn er über spezielle Dinge sprechen möchte. Vor allem beschäftigen wir uns mit Jamies Zukunft, mit seinem Sprung vom Junioren- zum Herrentennis. Denn das ist ein gewaltiger Schritt, vor allem in Sachen Fitness, Widerstandsfähigkeit und Willen.
Redaktion: Deutschland hat aktuell ein unübersehbares Problem im internationalen Tennis. Es gibt kaum Talente oder Nachwuchsspieler. Woran liegt das?

Neue deutsche Tenniswelle
Mackenzie: Es ist in der Tat aktuell eine Transformation, ein Wandel zu beobachten. Aber durch Täler sind schon viele große Tennisnationen gegangen. Deutschland hat und hatte natürlich vor allem mit Alexander Zverev großen Erfolg, aber auch Jan-Lennard Struff, Daniel Altmaier oder Angelique Kerber haben tolle Akzente gesetzt. Ich bin überzeugt, dass wieder eine neue deutsche Welle an erfolgreichen Tennisprofis kommen wird. Aber: Das deutsche Schulsystem ist schlecht für den Spitzensport. In anderen Ländern ist es durch Online-Schooling leichter, die Trainingsumfänge hochzuhalten.
Redaktion: Welche deutschen Nachwuchsspieler siehst du aktuell mit Perspektive?
Mackenzie: Da sind zum Beispiel Diego Dedura, Tom Gentzsch, Justin Engel, Max Schoenhaus, Julia Stusek und Eva Bennemann. Diego Dedura hat kürzlich mit einem Turniersieg auf der Tour auf sich aufmerksam gemacht und sich in München bei den BMW Open glänzend präsentiert.
Redaktion: Du arbeitest zurzeit in Deutschland als Trainer in einem Verein. Was sind deine Aufgaben dort?
Mackenzie: Ja, ich arbeite beim TC Rheinstadion in Düsseldorf. Ich bin Teil eines tollen Coachingteams und trainiere dort mit ambitionierten Junioren und Nachwuchsspielern.
Wille, sich ständig zu verbessern
Redaktion: Aktuell wird das Herren-Welttennis von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner dominiert. Was fehlt dem Rest, um an diese beiden heranzukommen?
Mackenzie: Ich konnte beide in den vergangenen Jahren gut beobachten. Beide sind sehr detailverliebt und arbeiten akribisch an ihrem Spiel. Sie haben einen unglaublichen Willen, sich ständig zu verbessern. Alcaraz zum Beispiel in seinem Aufschlagspiel, Sinner verbessert aktuell sein Netzspiel enorm und baut vermehrt Stopps in sein Spiel ein. Beide sind an der Spitze und ständig motiviert, sich weiterzuentwickeln.
Redaktion: Was magst du an Tennis in Deutschland?
Mackenzie: Tennis hat in Deutschland eine große Tradition. Es gibt unglaublich viele Leute in Deutschland, die alles für den Tennissport geben.
Redaktion: Justin, vielen Dank für das tolle Gespräch!

Steckbrief Justin Mackenzie
Geburtstag: 29.04.1972
Geburtsort: Tauranga, Neuseeland
Verheiratet: Nein
Lebensmotto: Lebe ein volles Leben, lebe deinen Traum, nimm Risiken in Kauf.
Tennisvorbild: Boris Becker, Andre Agassi

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